Universitäre Studien
27.06.2007
Während die Salzburger Landespolitik noch zögert, sich hinter die Wiedererrichtung der SKGLB als modernes Verkehrssystem zu stellen, belegen zunehmend mehr Forschungsarbeiten die Sinnhaftigkeit des Projekts.
Viele Projekte beschäftigten sich in der Vergangenheit mit dem Wiederaufbau eines Teils der SKGLB-Strecke für museale und touristische Zwecke. Ganz anders der Plan, die SKGLB zur Lösung drängender Verkehrsprobleme als Verknüpfung eines attraktiven Nahverkehrsangebotes mit einem ideal landschaftsangepassten Tourismuskonzept neu zu bauen.
Das vom Konsortium SKGLB reengineering Ges.n.b.R. mit Unterstützung des Club Salzkammergut-Lokalbahn verfolgte Projekt wird von vielen als die logische Ergänzung zum Salzburger S-Bahn System NAVIS, zur Stadt-Regionalbahn und zu touristischen Einrichtungen wie der Wolfgangsee-Schifffahrt und der Schafbergbahn begriffen.
Die verkehrliche und touristische Tragweite der fehlenden Verbindung erkennend, beschäftigten sich in jüngster Zeit mehrere Diplomanden sowie eine ganze Projektgruppe mit der Wiedererrichtung der Ischlerbahn:
Am 7. Juli 2006 stellten die Bauingenieurinnen D.I. Gertraud Größinger und D.I. Susanne Schwaighofer ihre Diplomarbeiten vor. Für die Trassierung wählten die Technikerinnen eine Mischform aus Vollbahn über Land und Straßenbahn für Ortsdurchfahrten, speziell für die kritische Durchquerung von Bad Ischl. Besonders interessant ist eine Schleife zur Anbindung von Mondsee ohne die betrieblich aufwändige Stichbahn vergangener Zeiten. Klares Ergebnis war auch, dass die zu erwartenden Passagierzahlen nur mit elektrischer Traktion zu bewältigen sein werden.
Einen anderen Ansatz verfolgte D.I. Clemens Perner in seiner Diplomarbeit. Er verfolgt das Konzept einer normalspurigen, systemkompatiblen Regionalstadtbahn, die teils erhebliche Gütertransportleistungen mit übernimmt und durch Einbindung in die S1 Bergheim mit erschließt. Interessant ist eine alternative Variante, die von der Westbahn abzweigt. Nach Bau der HL-Magistrale möglich, könnte diese Variante die günstigere Anbindung der Region Mondsee/Wolfgangsee an Salzburg darstellen.
An der TU Wien, Institut für Verkehrssystemplanung, beschäftigte sich eine aus 10 Studenten bestehende Projektgruppe zwei Jahre lang mit der Wiedererrichtung der SKGLB. Interessanter Weise ist das Ergebnis der Projektarbeit beinahe identisch mit dem Ausgangspunkt meiner eigenen Überlegungen: Ein reiner S-Bahn Ast von Salzburg nach Mondsee, der ohne Weiterführung wenig touristisches Einnahmenpotenzial hat und daher nicht kostendeckend zu führen sein wird. Andererseits ist das Projekt mit Gesamtkosten von ca. 50 Mio. Euro zu realisieren, bei höherer Verkehrsauswirkung deutlich weniger als der von der Wirtschaftskammer propagierte Kapuzinerbergtunnel.
Weiterhin ist eine noch nicht ausfinanzierte neutrale, vertiefende Wirtschaftlichkeits- und Machbarkeitsstudie der nächste offene Schritt zu einer „SKGLB neu“. Zusammen mit dem von Gottfried Mayer ausgearbeiteten generellen Unternehmenskonzept bilden diese Arbeiten und weitere Veröffentlichungen, die noch folgen werden, eine Basis dafür und können so den Weg bis zu einer konkreten Detailplanung verkürzen. Sie zeigen jedenfalls eindrücklich, dass die SKGLB wache Geister bewegt und dokumentieren die Notwendigkeit ihrer Wiedererrichtung als Ausweg aus der Salzburger Verkehrsmisere.