"Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn"

 

21.09.2004



Peter Kemptner und Peter Weissenböck

Die Salzkammergut-Lokalbahn (SKGLB), besser bekannt unter dem Namen "Ischlerbahn", wurde nach nur vier Jahren Bauzeit im Jahr 1893 fertig gestellt. Durch die Einrichtung der Wolfgangseeschifffahrt sowie die Errichtung der Zahnradbahn auf den Schafberg samt Gastronomiebetrieb am Gipfel (1893) erlangte das touristische Angebot der Salzkammergutregion einen Ruf weit über die Landesgrenzen hinaus. Bis zum Ersten Weltkrieg verzeichnete die Bahn stetig steigende Fahrgastzahlen (ca. 400.000 Personen im Jahr 1914, 650.000 im Jahr 1918). Die Salzkammergut-Lokalbahn war für die damalige Zeit eine wichtige Investition in die Verkehrsinfrastruktur der Region. Ohne sie wären Orte wie St. Wolfgang oder Mondsee verschlafene Dörfer geblieben. In der Zwischenkriegszeit kam die Bahn das erste Mal in Bedrängnis, die Währungs- und Wirtschaftskrise verursachte ein Ausbleiben der Gäste, es fehlte das Geld für größere Investitionen. Im Jahr 1946 wurden immerhin beinahe 2.150.000 Mill. Fahrgäste mit der Bahn transportiert. Die notwendige Modernisierung der Lokalbahn (Elektrifizierung, Bahnkörper) wurde aber in den Aufbaujahren nach dem Zweiten Weltkrieg verabsäumt. In weiterer Folge nahmen die Fahrgastzahlen in dem Maße ab, wie der Auto- und Autobusverkehr zunahm. Im September 1957 wurde der Personenverkehr und kurz darauf auch der Güterverkehr auf der Strecke Salzburg – Bad Ischl eingestellt.

Die Einstellung der SKGLB war aus heutiger Sicht ein verkehrs- und wirtschaftspolitischer Fehler. Durch die enorme Siedlungs- und Wirtschaftsentwicklung und der damit verbundenen sehr starken Verkehrsentwicklung in den letzten Jahrzehnten fehlt diesem Raum ein leistungsfähiges öffentliches Verkehrsmittel, das zu den Spitzenstunden zu einer spürbaren Entlastung des motorisierten Individualverkehres (MIV) beitragen könnte. Eine attraktive Bahnverbindung zwischen Salzburg und Mondsee könnte bei einer Situierung der Haltestellen nahe der Siedlungs- und Betriebsschwerpunkte dazu jedenfalls einen Beitrag leisten.

Laut Berechnungen von Verkehrsexperten wird sich die Stau-Problematik im Flachgau noch weiter zuspitzen. Der Straßenverkehr (MIV) soll bis 2015 an den Stadtgrenzen und Ortsdurchfahrten um 35 Prozent zunehmen. Dadurch würden sich die Stau-Stunden laut Prognosen verdreifachen. Neben der geminderten Lebensqualität der betroffenen Bevölkerung schadet dieses Verkehrsaufkommen auch dem Wirtschaftsstandort Salzburg. Kommen zu den täglich pendelnden Werktätigen auch noch Touristen aus der Region, die bei schlechtem Wetter einen Ausflug in die Stadt unternehmen, tritt vollends der Stillstand ein.

Landesstraße B1 bei Eugendorf Die starke Zunahme des Pendlerverkehrs ist einerseits eine Folge der ungebremsten Siedlungsentwicklung entlang der Straßenverkehrsachsen, andererseits spielt hier auch die jahrzehntelange einseitige Ausrichtung der Verkehrspolitik auf die Straße eine wesentliche Rolle. Mit kaum mehr leistbaren Ortsumfahrungen und teuren Straßenumbauten wird dieses Problem bei einem immer noch steigenden Motorisierungsgrad auch in Zukunft nicht lösbar sein.

Vergleicht man die Einwohnerdaten der VZ 1961 mit der VZ 2001 auf der Achse Salzburg - Mondsee - Bad Ischl, so zeigt sich die enorme Bevölkerungszunahme der letzten Jahrzehnte.

Die Bevölkerungsentwicklung in den letzten Jahrzehnten:

Gemeinden EW 1961 EW 2001 Änderung in %
Hallwang 1.786 3.499 196
Eugendorf 1.876 6.118 326
Thalgau 2.859 5.212 182
Mondsee 2.050 3.205 156
St. Lorenz 1.419 2.008 141
St. Gilgen 2.794 3.683 132
Strobl 2.202 3.453 157
Bad Ischl 12.703 14.081 111
Summe 27.689 41.259 149

Quelle: Statistik Austria (VZ 1961 und 2001)

Ehemals kleine Orte wie Hallwang, Eugendorf oder Thalgau haben sich mittlerweile zu einwohnerstarken Gemeinden entwickelt, die einen großen Anteil an Aus- und teilweise auch Einpendlern aufweisen. Die Marktgemeinde Eugendorf verfügt mit einer Zunahme von rund 325 % über den stärksten Einwohnerzuwachs in diesem Zeitraum.

Bei einer detaillierteren Betrachtung der im Nahbereich der ehemaligen Bahntrasse (1000 m – Einzugsbereich) wohnhaften Bevölkerung errechnen sich für den Abschnitt Salzburg – Mondsee rund 55.500 Personen (GIS-Analyse der VZ-Daten 2001 der Statistik Austria auf Rasterbasis). Dieser Wert liegt in etwa bei dem Potenzial, das die Salzburger Lokalbahn für den Abschnitt Salzburg – Trimmelkam aufweist (rund 58.000 Personen im Einzugsbereich von 1000 m).

Betrachtet man die Pendlerverflechtungen auf Basis der VZ 2001, so ergibt sich bei den Auspendlern für den Abschnitt Salzburg – Mondsee folgendes Bild:

Auspendler insgesamt:

    von
Salzburg Hallwang Eugendorf Thalgau St. Lorenz Mondsee Summe
nach Salzburg 868 1242 825 158 314 3407
Hallwang 403 62 29 6 5 505
Eugendorf 462 48 116 19 23 668
Thalgau 332 9 68 21 48 478
St. Lorenz 13 1 0 14 66 94
Mondsee 86 5 11 24 209 335
Summe 1296 931 1383 1008 413 456 5487

Quelle: Statistik Austria (VZ 2001)

Zugleich haben sich in den genannten Relationen neue Handels- und Gewerbegebiete mit zahlreichen Mittelbetrieben etabliert, die ihrerseits Pendler-, aber auch Güterverkehr anziehen. Die Region verfügt ohne die Stadtgemeinde Salzburg über 1226 Arbeitsstätten und hat insgesamt 9578 Beschäftigte (Statistik Austria, VZ 2001).

Arbeitstätten und Beschäftigte insgesamt:

Gemeinden Arbeitsstätten insgesamt Beschäftigte insgesamt
Hallwang 195 1444
Eugendorf 319 3097
Thalgau 267 2295
St. Lorenz 89 531
Mondsee 356 2211
Summe 1226 9578

Quelle: Statistik Austria (VZ 2001)

Die Fremdenverkehrsgemeinden am Mondsee und Wolfgangsee leiden seit der Konkurrenz durch billige Fernflüge notorisch an einem Besucherschwund. Tourismusexperten sind sich einig, dass neben den vorhandenen landschaftlichen Reizen eine zusätzliche Attraktion fehlt. Die Salzkammergut-Lokalbahn ist trotz ihrer Einstellung vor beinahe 50 Jahren heute noch eine der bekanntesten Eisenbahnstrecken überhaupt. Eisenbahnfreunde aus der ganzen Welt wären daher eine nicht zu unterschätzende neue Zielgruppe für den Fremdenverkehr dieser Region. Kombinationsmöglichkeiten würden sich mit der bestehenden Schifffahrt, der Schafbergbahn aber auch dem Fahrrad ergeben. Fremdenverkehrsgemeinden wie Strobl oder St. Gilgen könnten weiter verkehrsberuhigt und im Kern autofrei werden.

Eine Entlastung des Straßen-Güterverkehrs erscheint im Abschnitt Salzburg – Mondsee möglich, da hier eine große Zahl an Gewerbebetrieben besteht, die einen Schienenanschluss nützen könnten.

Ehemalige Bahntrasse mit Haltestellen:

Ehemalige Bahntrasse mit Haltestellen Quelle: ÖK 200, GIS-Verortung der ehemaligen Bahntrasse mit den dazugehörigen Haltestellen (Kemptner, Schmidt)

Die ursprüngliche Trasse ist zu etwa 90 % erhalten und unverbaut und könnte in mehreren Abschnitten bei entsprechender Adaption für eine Neuerrichtung verwendet werden. Ein wesentlicher Vorteil im Vergleich zu anderen Bahnstrecken (z.B. Pinzgaubahn) liegt auch darin, dass die Trasse sehr siedlungsnah verläuft und bei optimaler Situierung der neuen Haltestellen einen großen Teil der hier wohnenden Bevölkerung bedienen könnte. An Kreuzungen mit hochrangigen Straßen ergeben sich attraktive Umsteigeknoten (Auto – Bahn bzw. Bus – Bahn).

Dieses Projekt der Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn sollte auch als wichtige Ergänzung für das derzeit in Umsetzung befindliche „NAVIS-Konzept“ (S-Bahn Salzburg/Strasswalchen/Golling/Freilassing auf den bestehenden Bahntrassen) gesehen werden. Eine attraktive Schnellbahnverbindung, die den östlichen Zentralraum bedient, könnte im Sinne einer verantwortungsvollen Verkehrspolitik eine echte Alternative zum Individualverkehr darstellen.

Aus Sicht der Raumplanung sollte die Idee der Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn in enger Abstimmung mit den betroffenen Gemeinden und dem Land Oberösterreich unterstützt werden, da ein großes Nutzerpotenzial (Arbeits- und Ausbildungspendler, Fremdenverkehr, Freizeitnutzung, Güterverkehr) in dieser Region vorhanden ist und eine zukunftsorientierte Verkehrsabwicklung im Sinne der Nachhaltigkeit im allgemeinen Interesse ist.

 

Konzept belegt Wirtschaftlichkeit
Ing. Peter Kemptner und Gottfried Mayer stellten das generelle Konzept zur Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn vor.
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Wiedererrichtung der Salzkammergut-Lokalbahn

www.SKGLB.org
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